Geschichte

Der Dialekt von Appenzell Innerrhoden

Die Appenzeller Mundarten gehören zum nordöstlichen Schweizerdeutsch und haben eine Zwischenstellung zwischen vorwiegend hochalemannischen und weniger stark ausgeprägten, im übrigen rückläufigen, höchstalemannischen Sprachmerkmalen. Diese sind von besonderem Interesse, da sie eine höhere Altertümlichkeit repräsentieren. Im Vergleich mit den Nachbarmundarten oder anderen schweizerischen Dialekten zeichnet sich der Appenzeller Dialekt besonders durch zwei Hauptmerkmale aus: durch die starke Differenzierung der Kurzvokale, besonders was die e/ä-Laute und die o/ö-Laute betrifft, sowie durch die ebenso starke Differenzierung der Langvokale, z. B. offenes «ee», geschlossenes «ee/ää», sowie geschlossenes «oo/öö» und offenes «oo/öö». Für den Innerrhoder Dialekt (ohne Oberegg) gibt es zusätzlich diese typischen Merkmale: Die Nasalierung der Vokale «e/ee», der durchgehende Schwund von inlautendem «r» vor Konsonanten, die diphtongierte Lautung.
Die Sonderstellung der Innerrhoder Mundart durch Gesamtabgrenzung des inneren Landesteiles gegenüber Ausserrhoden gründet wohl auf der Landteilung von 1597, wodurch sich ein besonders abgeschiedenes Eigenleben über Jahrhunderte hin ergab und sich die neue Halbkantonsgrenze nach und nach auch zur Mundartgrenze verfestigen konnte («Innerrhoder Schranke»).
Wohl sind in Innerrhoden auch noch regionale Dialektunterschiede festzustellen (Brülisau – Schwende – Appenzell – Haslen – Gonten), doch hat sich im inneren Landesteil weitgehend ein einheitlicher Dialekt erhalten.

Tradition, Erhalt und Zukunft des Innerrhoder Dialektes

Die meisten Wörter, Ausdrücke und Redewendungen dieser Sammlung sind dem Grossteil der über 50-jährigen Innerrhoder noch bekannt (aktiver und passiver Wortschatz), von einer älteren Generation werden sie sogar in der Alltagssprache noch generell verwendet. Einflüsse von innen und aussen führen auch bei uns zu einer Verwässerung des Dialektes, der Formen und Lautungen, hin zu einer Richtung von «Einheitsbrei» und Anpassung. Viele Mundartwörter und Redewendungen sind bereits verloren gegangen, und manches wird noch verloren gehen.
Es ist eine Tatsache, dass es schon zu allen Zeiten Veränderungen innerhalb der Sprache gab – sowohl in der geschriebenen wie in der gesprochenen – und dass dies schon immer als «Verfall» interpretiert wurde. Diese Veränderung macht aber eine Sprache weder besser noch schlechter, sondern einfach anders. Wir bewegen uns heute in einer schnelllebigen Zeit, und in immer kürzeren Abständen kommen verschiedenartige Veränderungen auf uns zu: Anonymisierung der Lebensverhältnisse, abnehmende Mitteilungsbereitschaft (abgesehen von E-Mail- und SMS-Boom), zunehmende berufliche Beweglichkeit vieler Menschen, Übernahme von Anglizismen, multikulturelle Bevölkerung, Änderung des sozialen Gefüges. Bestimmt hängt auch das oft beklagte Aussterben von echten «Originalen» zusammen mit dem Schwinden unseres untypischen Dialektes.

Quelle: Innerrhoder Dialekt, Joe Manser (5. Auflage 2013)

Der witzige Appenzeller

Den Appenzellerinnen und Appenzellern wird nachgesagt, dass sie besonders witzig sind. Herausgebildet hat sich das Klischee Ende des 18. Jahrhunderts, neben anderen durch das Werk von Johann Gottfried Ebel. Zeugnisse von Witz im Appenzell finden sich aber schon früher, und später sind es weit herum erfolgreiche Witzerzähler und Satiriker, die das Bild der lustigen Appenzeller besiegeln. Witze, die durch den mündlichen Vortrag ihre Wirkung entfalten und so auch weitergegeben werden, sind seit dem 19. Jahrhundert schriftlich festgehalten worden. Als Standardwerk gilt die bekannte Sammlung von Alfred Tobler aus dem Jahr 1905. In neuerer Zeit erschienen Sammlungen von Ruedi Rohner, dem «Altmeister des Appenzeller Witzes», von Walter Koller, August Inauen oder Toni-Sepp Wyss. Die politische Seite der Appenzeller Satire repräsentiert Carl Böckli, ein Kämpfer gegen Opportunismus und totalitäre Ideologien; er veröffentlichte seine Karikaturen und Verse unter dem Pseudonym «Bö» vor allem im «Nebelspalter». Für die moderne Form von Kabarett und Satire steht Simon Enzler, und der in jüngster Zeit entstandene «Witz-Slam» verbindet Tradition und Slam-Kultur. Appenzeller Witze und humorvolle Geschichten bringen uns heute im geselligen Kreis, an Veranstaltungen oder über die (Hör-)Buchform zum Lachen. Auf dem Witzwanderweg zwischen Heiden und Walzenhausen lässt sich die Bewegung der Bein- und der Lachmuskeln in idealer Weise verbinden.

Quelle: Appenzeller Witz und Satire